Wenn Ihre PV-Anlage morgen stehen bleibt, bekommen Sie davon wahrscheinlich nichts mit. Bei Growatt geht die Störungsmeldung an das Postfach, das bei der Inbetriebnahme zur Anlage eingetragen wurde, in aller Regel das des Installateurs; Alarme bewirbt die Eigentümer-App ShinePhone ohnehin nicht. SolarEdge-Benachrichtigungen wiederum gehören laut Herstellerdokument dem Installateurskonto: Die Alarmregeln liegen dort, und Ihre E-Mail-Adresse muss dort erst für Benachrichtigungen freigeschaltet werden. Bei Enphase löst ein einzelner stiller Mikrowechselrichter überhaupt keine Push-Nachricht aus. Der folgende Check dauert pro Marke ein paar Minuten und beantwortet eine Frage: Landet die nächste Störung in Ihrem Postfach oder in einem fremden?
Der 10-Minuten-Check: drei Fragen pro Marke
Sie brauchen keine Werkzeuge, nur den Zugang zum Portal Ihrer Marke und Antworten auf drei Fragen:
- Auf wessen Namen läuft das Konto? Steht in der Anlagenverwaltung eine Firmenadresse als Eigentümer oder Administrator, gehört das Konto nicht Ihnen. Sie sehen dann Daten, steuern aber keine Alarme.
- Welche E-Mail-Adresse ist bei der Anlage hinterlegt? Nicht die, mit der Sie sich anmelden, sondern die, an die Meldungen gehen. Bei zwei der drei Marken sind das zwei verschiedene Adressen.
- Was genau löst eine Meldung aus, und nach wie langer Zeit? Bei SolarEdge und Enphase sind die Schwellen dokumentiert, und keine davon ist „sofort“. Für Growatt ist keine Offline-Schwelle dokumentiert; dort wissen Sie nicht einmal, ab wann eine Meldung überhaupt entsteht.
Ein Reflex kommt fast immer dazu: Steht die App leer da, vermutet man zuerst eine Störung beim Hersteller. Häufig stimmt das sogar. Nur sieht ein echter Ausfall auf dem Dach in der App genauso aus, und wer die Stille als Portalproblem abhakt, merkt den Unterschied unter Umständen wochenlang nicht.
Wenn Sie beim Lesen merken, dass Sie gerade eine echte Störung vor sich haben und nicht nur eine Einstellungsfrage, arbeiten Sie zuerst den Ratgeber zu „Wechselrichter offline trotz Sonne“ durch. Dieser Text hier klärt, wer es Ihnen beim nächsten Mal sagt.
SolarEdge-Benachrichtigungen: die Alarmregeln liegen im Installateurskonto
SolarEdge beschreibt sein Alarmsystem selbst als Werkzeug für Installateure, die damit ihre ganze Anlagenflotte betreuen. Daraus folgen drei Dinge.
Erstens: Sie können keine Alarmregel anlegen. Die Regeln liegen in Alert Profiles, und nur Nutzer mit der Rolle Account Manager oder Account Admin können sie anlegen, ändern oder aktivieren. Diese Rollen hat das Konto, das die Anlage betreut, nicht der Eigentümerzugang.
Zweitens: Ihre E-Mail-Adresse muss freigegeben sein. Eine Alarm-E-Mail bekommen Sie nur mit einer Erlaubnis, die pro Anlage im Administrationsbereich gesetzt wird: Admin → Site Access → [Name] → „Expose to alerts notifications“. Das ist der Klickweg, nach dem Sie fragen müssen; erreichen können Sie ihn selbst nicht. Innerhalb einer Regel sind die Anlageneigentümer als Empfänger voreingestellt, was aber nur hilft, wenn die Regel aktiv, das Profil zugewiesen und die Freigabe gesetzt ist.
Drittens: Stille wird spät und gesammelt gemeldet. „No communication with the Inverter“ löst erst nach mindestens drei Stunden ohne Verbindung aus, ebenso der Ausfall der ganzen Anlage („No communication with the site“); beim Zähler braucht es einen vollen Tag. Zugestellt wird standardmäßig eine Tageszusammenfassung; die sofortige Zustellung ist ein eigenes Häkchen.
Was Sie in zehn Minuten selbst prüfen können, wenn die mySolarEdge-App keine Daten mehr aktualisiert: Steht auf dem Display Ihres Wechselrichters S_OK, ist die Verbindung zum Portal in Ordnung; fehlt die Zeile, sieht auch das Alarmsystem nichts mehr. Die Zeile P_OK: XXX/YYY zeigt, wie viele Optimierer melden. Was die einzelnen Codes und Displayzeilen bedeuten, steht im Ratgeber zu den SolarEdge-Fehlercodes. Und lassen Sie sich vom Installateur schriftlich bestätigen, welche Adressen unter Admin → Site Access eingetragen und für Alarme freigegeben sind. Wie die Marke selbst überwacht, steht auf der Seite zur SolarEdge-Überwachung.
Dass Portalstörungen dabei zur Normalität geworden sind, schreiben Anlagenbetreiber selbst:
Das seit 2 Tagen das SolgarEdge Monitoring Portal nicht funktioniert, ist ja nichts ungewöhnliches. Nur ist im Router der WR offline bzw. leuchtet die blaue Leuchte (LAN Kommunikation) nicht.
Laut dem zweiten Satz hatte der Betreiber gleichzeitig eine echte LAN-Störung, die er beinahe als Portalproblem abgehakt hätte.
Enphase: 12 Stunden bis zur Warnung, fünf Tage bis zur Benachrichtigung
Enphase veröffentlicht seine Schwellen in der eigenen Dokumentation. Ein Mikrowechselrichter, der mindestens 12 Stunden bei Tageslicht nicht meldet, erzeugt den Status Warning in der App, aber keine Push-Nachricht. Eine Benachrichtigung entsteht erst, wenn 10 % der Mikrowechselrichter fünf Tage in Folge nicht melden; dann werden Eigentümer und Installateure per SMS, E-Mail oder Push benachrichtigt, je nach ihren Einstellungen.
Enphase rechnet das selbst vor: Auf einer Anlage mit elf Modulen ist ein fünf Tage stiller Mikrowechselrichter 9 Prozent und bleibt damit unter der Schwelle: Warnung ja, Benachrichtigung nein. Bei 20 Modulen braucht es zwei, bei 30 Modulen drei. Die Begründung liefert der Hersteller gleich mit: Alarm-E-Mails werden gebündelt, damit sie sich mit einem einzigen Serviceeinsatz erledigen lassen; ein einzelnes nicht produzierendes Modul habe kaum Einfluss auf die Gesamterzeugung, und so werde der Arbeitstag der Installateure weniger gestört.
Das ist technisch nachvollziehbar und sagt zugleich, wessen Kalender die Alarmschwellen bestimmt. Passend dazu nennt Enphase die modulgenaue Alarmierung ausdrücklich einen Vorteil des Installer Portal, des Fachkundenportals.
Was Sie einstellen können. Die Empfängerseite liegt tatsächlich bei Ihnen: Menü → Account → My Notifications. Voreingestellt ist dort „Receive only recommended notifications“; als Kanäle stehen E-Mail, SMS und Push zur Verfügung, SMS setzt eine hinterlegte Mobilnummer voraus. Die Statusnamen: Microinverter Not Reporting beziehungsweise Microinverters Not Reporting, Gateway Not Reporting und im Fachkundenportal Envoy Not Reporting, der Status hinter „Envoy offline“. Dieselbe Sache heißt im Fachkundenportal Production Issue und in der App Low Solar Production. Die Zustandsnamen der Anlage sind Normal, Warning und Error.
Zwei Hinweise aus der offiziellen Ursachenliste ersparen Ihnen einen Fehlalarm: Ist das Gateway offline, können alle Mikrowechselrichter als „not reporting“ erscheinen, obwohl die Produktion weiterläuft. Und bis sich der Status aktualisiert, können 24 bis 48 Stunden vergehen. Mehr zur Marke steht auf der Seite zur Enphase-Überwachung.
Growatt „keine Verbindung zum Server“: Die App meldet nichts, die Häkchen liegen im ShineServer
Bei Growatt ist der Befund am kürzesten. Die App-Store-Beschreibung von ShinePhone nennt Energiemonitoring, Gerätemanagement und AI Smart Control, aber keine Alarme, Benachrichtigungen, Störungs- oder Offline-Meldungen. Die Eigentümer-App ist eine Abfrage-App: Sie sehen etwas, wenn Sie hineinschauen. Wer dort „keine Verbindung zum Server“ liest, erfährt das also nur deshalb, weil er gerade hineingeschaut hat.
Die E-Mail-Optionen liegen im Webportal ShineServer: drei Häkchen für Alarme sowie Tages- und Monatsberichte. Sie hängen an dem Postfach, das zur Anlage hinterlegt wurde. Wurde bei der Inbetriebnahme die Adresse des Installateurs eingetragen, gehen die Alarme dorthin, unabhängig davon, mit welchem Konto Sie sich in der App anmelden.
Ob die Häkchen gesetzt sind, sehen Sie nur im Portal selbst. Nehmen Sie weder an, dass sie an sind, noch dass sie aus sind, sondern schauen Sie im ShineServer-Webportal nach. Und verlassen Sie sich nicht auf die im Netz kursierende Offline-Schwelle von 20 Minuten; sie steht nicht in Growatts Unterlagen.
Die automatische Fehlererkennung verkauft Growatt getrennt, in der Installateurs-App ShineTools. Was die Fehlernummern selbst bedeuten und warum derselbe Isolationsfehler je nach Modellfamilie eine andere Nummer trägt, steht im Ratgeber zu Growatt 203 und 117; die Markenseite zur Growatt-Überwachung beschreibt die Datenseite.
Keine der drei Marken warnt bei Minderertrag
Alle drei Systeme melden harte Fehler, aber nichts, was langsam schlechter wird.
SolarEdge hat keinen Alarm, der die Erzeugung mit einer Erwartung vergleicht. Produktionsbezogen sind nur harte Fälle wie „Production issue – inverter overheated“ und „String is not producing“. Eine Anlage, die läuft, brav Daten sendet und dabei still einen Teil ihrer Leistung verliert, löst nichts aus. Wie Sie diesen Erwartungswert selbst berechnen und gegen Ihre Tageswerte halten, steht im Ratgeber PV-Ertrag mit dem Wetter vergleichen.
Bei Enphase existiert eine weiche Schwelle nur bedingt: Der Alarm greift, wenn „Site production falls below the Production Threshold (if one has been set)“, wenn also der Installateur eine gesetzt hat. Growatt dokumentiert Alarme und Warnungen zu Gerätefehlern sowie Tages- und Monatsberichte, aber keinen Soll-Ist-Vergleich.
Der gemeinsame Grund: Keines der drei Systeme berechnet, wie viel Ihre Anlage an diesem Tag an Ihrem Standort hätte produzieren müssen. Ohne Sollwert kann kein Alarm auf „zu wenig“ auslösen. Deshalb finden deutsche Anlagenbetreiber Minderertrag typischerweise beim Jahresvergleich oder bei der Zählerablesung, nicht durch eine Meldung:
Auf Grund der Ablesung im Dez. 2013 habe ich festgestellt, das die Anlage viel mehr hätte bringen müssen. Bei der Prüfung wurde festgestellt, das 2 Strings auf Grund verschmorter Stecker nicht gearbeitet haben. Ich habe insgesamt ein Ertragsausfall von ca. 4000€.
Wem gehört das Monitoring-Konto, und wie Sie Eigentümerzugang bekommen
Das Alarmsystem dieser Marken ist für Installateure gebaut, die ganze Anlagenflotten betreuen; für den Eigentümer blieb eine App zum Nachschauen. Bei SolarEdge liegen die Alarmregeln laut Herstellerdokument im Installateurskonto, und die Freigabe „Expose to alerts notifications“ wird dort pro Anlage gesetzt. Bei Growatt hängen die drei E-Mail-Optionen am Postfach, das zur Anlage eingetragen wurde. Bei Enphase liegen die Empfängereinstellungen bei Ihnen, aber die modulgenaue Alarmierung ist laut Hersteller eine Funktion des Installer Portal, und ob eine Production Threshold gesetzt wurde, entscheidet ebenfalls der Installateur. Deshalb ist „ich habe die App“ nicht dasselbe wie „ich bekomme die Meldungen“.
Was Sie konkret verlangen sollten, schriftlich und mit Datum:
- Einen Zugang zur Anlage auf Ihre eigene E-Mail-Adresse, nicht auf eine Sammeladresse der Firma.
- Bei SolarEdge zusätzlich die Freigabe „Expose to alerts notifications“ für genau diese Adresse, gesetzt unter Admin → Site Access. Ohne diese Freigabe bekommen Sie laut Herstellerdokument keine Alarm-E-Mail, ganz gleich, welche Regeln aktiv sind.
- Bei Growatt die Änderung des Postfachs, das im ShineServer an Ihrer Anlage hinterlegt ist, plus die Bestätigung, welche der drei Optionen dort angehakt sind.
- Bei Enphase die Bestätigung, ob eine Production Threshold gesetzt wurde, und wenn nicht, dass es keine gibt.
Ist die Firma nicht mehr erreichbar, wird es zäh: Dann bleibt der Hersteller-Support. Halten Sie Seriennummer des Wechselrichters, Adresse der Anlage und Kaufbeleg bereit und dokumentieren Sie jeden Kontakt mit Datum.
Ein Betreiber dreier Anlagen schreibt dazu:
Wir bekommen es einfach nicht hin, jedes Monat zu prüfen, ob alle Wechselrichter noch in Betrieb sind
Was die Verzögerung kostet
Die Schwellen der drei Hersteller sind das eine; das andere ist die Zeit bis zur Reparatur. Ein Betreiber nennt für drei Wochen Wartezeit auf ein Ersatzgerät 300 € Ertragsausfall (Photovoltaikforum, 2012, Thread). Beides addiert sich.
Wie Sie es beim nächsten Mal rechtzeitig erfahren
Die drei Portale melden harte Gerätefehler und, mit den oben genannten Schwellen, längere Stille. Keines von ihnen rechnet aus, wie viel Ihre Anlage an diesem Tag an Ihrem Standort hätte produzieren müssen; deshalb löst ein Teilausfall bei laufender Kommunikation nichts aus. In 15 Forumsfällen aus Deutschland erfuhr kein einziger Betreiber durch die Alarmfunktion seiner Marke von seinem Ausfall; gefunden wurde er per Jahresvergleich, bei der Zählerablesung, durch einen Bekannten oder durch Zufall.
Diese Lücke schließt Solmiro: Es liest jeden Tag die Tageswerte aus Ihrem Cloud-Konto, vergleicht sie mit dem, was das Wetter über Ihrem Dach erwarten ließ, und schreibt Ihnen an Ihre eigene Adresse, wenn der Ertrag deutlich darunter bleibt oder ausfällt. Das Verbinden ist kostenlos. Wie es abläuft, steht unter So funktioniert es, was dabei zugesagt wird, unter den Garantien.
Fragen, die Anlagenbesitzer stellen
Bekomme ich von SolarEdge eine E-Mail, wenn meine Anlage ausfällt?
Nur wenn drei Bedingungen erfüllt sind. Die Regel muss im Alert-Profil aktiviert sein, das Profil muss Ihrer Anlage zugewiesen sein, und für Sie als Anlageneigentümer muss unter Admin → Site Access die Option „Expose to alerts notifications“ gesetzt sein. Alle drei liegen im Konto des Installateurs. Handelt es sich um Stille, also um fehlende Kommunikation, greift die Meldung laut Herstellerdokument frühestens nach drei Stunden und wird standardmäßig als Tageszusammenfassung verschickt. Für den Zähler nennt das Dokument einen vollen Tag; für harte Gerätefehler ist dort keine Wartezeit dokumentiert.
Warum meldet die Enphase-App einen stillen Mikrowechselrichter nicht?
Weil ein einzelner stiller Mikrowechselrichter nach 12 Tageslichtstunden nur eine Warnung in der App auslöst, keine Push-Nachricht. Eine Benachrichtigung entsteht erst, wenn 10 % der Mikrowechselrichter fünf Tage in Folge nicht melden. Auf einem Dach mit elf Modulen ist ein totes Modul 9 %: Diese Schwelle wird nie erreicht.
Hat die Growatt-App ShinePhone Störungsmeldungen?
Nein. Die App-Store-Beschreibung von ShinePhone nennt Energiemonitoring, Gerätemanagement und AI Smart Control, aber keine Alarme oder Benachrichtigungen. Growatts Alarme sind drei Häkchen im ShineServer-Webportal, für Alarme, Tages- und Monatsberichte, und sie gehen an das Postfach, das bei der Inbetriebnahme zur Anlage eingetragen wurde.
Warnt eine dieser Apps, wenn die Anlage zu wenig produziert?
Nein. Keine der drei Marken vergleicht Ihre Erzeugung mit einem Sollwert, weil keine einen Sollwert berechnet. SolarEdge hat keinen Alarm, der Ihren Ertrag mit dem vergleicht, was die Anlage hätte erzeugen sollen. Bei Enphase gibt es eine Produktionsschwelle nur, wenn der Installateur eine gesetzt hat. Growatt dokumentiert nur harte Fehler und Warnungen sowie Tages- und Monatsberichte.
Der Installateur hat mein Monitoring-Konto: Wie bekomme ich Zugang?
Bitten Sie schriftlich um drei Dinge: einen eigenen Zugang zur Anlage auf Ihre E-Mail-Adresse, bei SolarEdge zusätzlich die Freigabe „Expose to alerts notifications“ für diese Adresse, und bei Growatt die Änderung des Postfachs, das an der Anlage im ShineServer hinterlegt ist. Notieren Sie das Datum. Ist die Firma nicht mehr erreichbar, bleibt der Hersteller-Support; halten Sie dafür Seriennummer, Anlagenadresse und Kaufbeleg bereit.