Wenn Ihre Solarfirma insolvent ist oder still und leise Pleite gegangen ist, fallen zwei verschiedene Dinge weg, und nur eines davon steht in den Ratgebern der Verbraucherverbände. Rechtlich: Die Herstellergarantien auf Module, Wechselrichter und Speicher bleiben bestehen, die Gewährleistung des Installateurs auf die Montage ist praktisch verloren, weil niemand mehr da ist, der sie erfüllt. Operativ: Der Mensch, der gelegentlich ins Monitoring-Portal geschaut hat, war Ihr Solarteur, und häufig läuft das Portalkonto bis heute auf seine E-Mail-Adresse.
Wer wartet meine PV-Anlage? Die Frage hinter „Solarteur insolvent“
In aller Regel hat der Betrieb Ihre Anlage bei der Inbetriebnahme in seinem Marken-Portal angelegt, typischerweise als Administrator und mit seiner Adresse als hinterlegter Mailbox, an die dann auch die Störungsmeldungen gingen. Das war für Sie unsichtbar, solange es funktioniert hat. Fällt der Betrieb weg, fällt dieser stille Teil des Vertrags mit weg, ohne dass sich in Ihrer App etwas ändert: dieselben Balken, dieselben Zahlen, nur schaut niemand mehr hin.
Wie zuverlässig „hinschauen“ ohne Automatik ist, beschreiben Betreiber im Photovoltaikforum offen:
Wir haben drei ältere PV-Anlagen seit über 10 Jahren in Betrieb. … Wir bekommen es einfach nicht hin, jedes Monat zu prüfen, ob alle Wechselrichter noch in Betrieb sind
Eine Anlage, die läuft, gibt keinen Anlass nachzusehen; teuer wird deshalb gerade der Ausfall, den niemand bemerkt. Woran Sie erkennen, ob die Erträge zu Ihrem Standort passen, zeigt der Ratgeber Spezifischer Ertrag: kWh pro kWp.
Solarfirma pleite: was von Garantie und Gewährleistung bleibt
Die Trennung ist einfach:
| Was | Status nach der Insolvenz | Wer ist Ihr Gegenüber |
|---|---|---|
| Herstellergarantie Module | bleibt bestehen | der Modulhersteller |
| Herstellergarantie Wechselrichter | bleibt bestehen | der Wechselrichter-Hersteller |
| Herstellergarantie Speicher | bleibt bestehen | der Speicherhersteller |
| Gewährleistung/Montagegarantie des Installateurs | fällt praktisch aus, weil niemand sie mehr erfüllt | niemand mehr |
Herstellergarantien sind ein Verhältnis zwischen Ihnen und dem Hersteller und überleben die Insolvenz des Installateurs; seine eigene Gewährleistung endet mit ihm (so photovoltaik.info und peak-energy.gmbh).
Garantiefälle führen Sie deshalb ab jetzt selbst, direkt beim Hersteller. Dafür brauchen Sie Unterlagen, die bisher beim Installateur lagen.
Die Mappe, die Sie anlegen sollten
- Seriennummer des Wechselrichters (steht auf dem Typenschild am Gerät und im Portal)
- Typ und Seriennummern der Module, Typ und Seriennummer des Speichers
- Inbetriebnahmedatum und Übergabe- bzw. Inbetriebnahmeprotokoll
- Rechnung und Auftragsbestätigung (Nachweis für den Garantiebeginn)
- Ihre Registrierungsdaten im Marktstammdatenregister
- Zugangsdaten zum Marken-Portal, falls Sie welche haben, und die E-Mail-Adresse, auf die das Konto läuft
Für das Marktstammdatenregister gilt unabhängig von der Insolvenz: Änderungen an den eingetragenen Daten müssen Sie innerhalb eines Monats registrieren, sonst kann die Förderung gekürzt werden. Wenn Sie also den Wechselrichter tauschen lassen, hängt daran eine Frist, um die sich sonst der Betrieb gekümmert hat. (In Österreich und der Schweiz melden Sie den Tausch stattdessen Ihrem Netzbetreiber bzw. Ihrem Energieversorger.)
Einen neuen Fachbetrieb brauchen Sie auch, wenn eine Dachsanierung ansteht, bei der Module und Wechselrichter abgebaut und wieder angeschlossen werden müssen. Wer das übernehmen darf, steht im Ratgeber Dachsanierung mit Photovoltaik.
Ein zweiter Punkt betrifft die Ertragsausfallversicherung. Ein Forumsfall von 2014, in dem der Betreiber im September zufällig auf seinen Wechselrichter geschaut und einen stromlosen String entdeckt hatte:
Nun will sie aber nicht zahlen, mit der Begründung die Ertragsausfallversicherung greife erst ab dem Zeitpunkt der Schadensmeldung.
Wenn niemand mehr in Ihr Portal schaut, verschiebt sich der Zeitpunkt der Schadensmeldung nach hinten, und mit ihm der Beginn dessen, was eine Versicherung überhaupt ersetzt.
Das Monitoring-Konto zurückholen: SolarEdge, Enphase, Growatt
Für SolarEdge, Enphase und Growatt sagen die Herstellerhandbücher ausdrücklich, wo die Benachrichtigungen hängen.
SolarEdge. Die Alarmregeln liegen im Konto des Installateurs; nur Nutzer mit der Rolle Account Manager oder Account Admin können sie anlegen, ändern oder aktivieren, ein Anlagenbesitzer nicht. Ob Sie überhaupt E-Mails bekommen, hängt an einer Berechtigung, die der Installateur setzt: Admin → Site Access → [Name] → „Expose to alerts notifications“. Prüfen Sie also zuerst, ob diese Berechtigung für Ihre Adresse je gesetzt wurde; an den Schalter selbst kommt ein Anlagenbesitzer nicht heran. Die Fehlercode-Seite SolarEdge-Fehlercodes und die Übersicht SolarEdge-Überwachung gehen auf die Portalseite selbst ein.
Enphase. Der Anlagenbesitzer stellt seine Benachrichtigungen im eigenen Konto ein: Menu → Account → My Notifications, mit den Kanälen Email, Text und Push; die Voreinstellung dort lautet „Receive only recommended notifications“, für SMS muss eine Mobilnummer hinterlegt sein. Dem Installateur vorbehalten bleibt die Alarmierung pro Modul: Enphase führt sie in der eigenen Dokumentation als Leistung des Installer Portals. Ist Ihr Betrieb weg, bleibt Ihnen also die Anlagenebene, nicht die Modulebene. Siehe auch Enphase-Überwachung.
Growatt. Hier liegt der wunde Punkt beim insolventen Betrieb am deutlichsten. Die Alarme sind drei Häkchen im Webportal ShineServer: Alarme, Tagesberichte, Monatsberichte. Und sie hängen nicht am Nutzerkonto, sondern an der Mailbox, die an der Anlage hinterlegt ist. Wurde bei der Inbetriebnahme die Adresse des Installateurs eingetragen (der Normalfall), laufen Berichte und Alarme dorthin, also in ein totes Postfach. Wer sein Growatt-Konto in Ordnung bringt, sollte deshalb zuerst nachsehen, welche Mailbox an der Anlage hinterlegt ist. Die Codeseite Growatt-Fehlercode 203 und 117 und Growatt-Überwachung behandeln die Geräteseite.
Für alle drei gilt: Welche Meldung bei wem landet, ist eine eigene Prüfung wert. Der Ablauf dafür steht in Wer bekommt Ihre Störungsmeldungen?. Und wenn die Anlage gerade tatsächlich still ist, sortiert Wechselrichter offline trotz Sonne zuerst die Frage, ob das Gerät, die Kommunikation oder nur das Portal betroffen ist.
Was die „kostenlose Überwachung“ Ihres Installateurs wirklich war
Die Überwachung, die im Angebot stand, war zu einem großen Teil eine Person, die gelegentlich auf ein Dashboard geschaut hat, plus eine Alarmlogik, die für Installateure gebaut ist. Das zeigen die Handbücher:
- SolarEdge meldet „No communication with the Inverter“ erst nach mindestens drei Stunden ohne Verbindung, beim Zähler erst nach einem ganzen Tag. Standard ist eine tägliche Sammelmail; die sofortige Zustellung ist ein eigenes Häkchen.
- In der offiziellen SolarEdge-Alarmliste gibt es keinen vergleichenden Alarm auf Sollertrag, Benchmark oder Vorjahr; die Alarme sind harte Fehler. Eine Anlage, die kommuniziert und dabei deutlich zu wenig produziert, löst nichts aus.
- Enphase meldet Ihnen einen einzelnen stillen Mikrowechselrichter nicht: Ab zwölf Stunden ohne Meldung bei Tageslicht entsteht eine Warnung in der App, aber kein Push; erst wenn mindestens 10 % der Mikrowechselrichter fünf Tage in Folge nicht melden, werden Betreiber und Installateur per SMS, E-Mail oder Push benachrichtigt, je nach den gewählten Einstellungen. Das Bündeln der Meldungen begründet Enphase in der eigenen Dokumentation mit dem Arbeitstag des Installateurs: gesammelte Alarm-Mails lassen sich mit einem einzigen Serviceeinsatz abarbeiten, und ein einzelnes nicht produzierendes Modul hat auf die Gesamterzeugung nur geringen Einfluss.
- Growatts Endkunden-App nennt in ihrer offiziellen Store-Beschreibung Energiemonitoring, Gerätemanagement und AI Smart Control. Von Alarmen, Benachrichtigungen oder Push ist dort kein Wort zu lesen; dokumentiert ist die Alarmierung nur im Web-Portal an der oben genannten Mailbox. Die proaktive Erkennung führt Growatt beim Installateurwerkzeug ShineTools, das mit dem automatischen Erkennen von Anlagenauffälligkeiten wirbt.
Der Teil der Überwachung, der ohne Ihren Installateur weiterläuft, ist dünner, als die Formel „kostenlose Überwachung“ im Angebot nahelegt. Einen Alarm auf zu wenig Ertrag gibt es bei SolarEdge und Growatt gar nicht, bei Enphase nur, wenn der Installateur seinerzeit eine Production Threshold gesetzt hat. Solmiro ersetzt den gelegentlichen Blick des Installateurs durch eine tägliche Prüfung: Es rechnet jeden Tag aus, was das Wetter über Ihrem Dach zuließ, und schreibt Ihnen eine E-Mail, wenn die Anlage deutlich darunter bleibt oder stillsteht. Das Verbinden ist kostenlos. Wie Sie den Soll-Ist-Vergleich selbst führen, steht im Ratgeber PV-Ertrag mit dem Wetter vergleichen.
Was der unbemerkte Stillstand kostet
Zum Vergleich zwei weitere Fälle aus dem Forum. Ein Betreiber beziffert drei Wochen Wartezeit auf ein Ersatzgerät mit „Ertragsausfall in diesen drei Wochen 300 Euro“ (Photovoltaikforum, 2012, Ausfall Wechselrichter, finanzielle Entschädigung). Ein anderer schreibt mitten im Defekt: „Jetzt warte ich schon seidem über 3 Wochen auf dem Versand eines neuen Wechselrichters SE25k“ (Photovoltaikforum, 2025, Solaredge Wechselrichter defekt, schlechter Support). Der Verlust pro Tag hängt an Anlagengröße, Jahreszeit und Vergütungssatz; die Wartezeit auf ein Ersatzgerät lag in beiden Fällen bei mehreren Wochen.
Wenn nicht die Firma stirbt, sondern das Portal
Die Insolvenz des Installateurs ist nur einer der Wege, auf denen die Überwachung verschwindet. Der zweite: Der Portalbetreiber stellt ein. KACO hat seinen Betreibern angekündigt:
wir möchten Sie frühzeitig darüber informieren, dass unser Portal blueplanet web public zum 1. Januar 2026 eingestellt wird.
Die Nachfolgelösung blueplanet smartcloud funktioniert laut demselben Thread nur mit dem Connect-GEN2-Stick; ein Betreiber findet das „schon echt unverschämt“, denn es heißt entweder Bezahlversion oder neue Hardware samt Installationsarbeit. Bei SENEC hat EnBW keinen Investor gefunden und das Neukundengeschäft eingestellt (pv magazine, 14.07.2026). Und im Photovoltaikforum fragten Betreiber im August 2026, ob Smartfox insolvent sei; der Hersteller antwortete, er sei es nicht. Betreiber rechnen also inzwischen damit, dass der Anbieter ihres Überwachungswegs verschwinden kann.
Die Insolvenzwelle 2023–2026: Namen, Daten, Quellen
Die Liste gibt Meldungen der genannten Medien wieder, keine Bewertung der Unternehmen.
| Unternehmen | Ereignis | Datum | Quelle |
|---|---|---|---|
| Eigensonne (EWE-Tochter) | Insolvenzantrag; vorläufige Verwaltung | 14.12.2023 / 19.12.2023 | Energie & Management 18.12.2023; BBL Rechtsanwälte 19.12.2023 |
| Eigensonne / Amia Energy | erneute Insolvenz nach Übernahme | Mai 2024 | WiWo 17.05.2024; pv magazine 21.05.2024 |
| Envoltec | vorläufige Insolvenz, eröffnet Januar 2024 | November 2023 | Anwalt.de 20.11.2023 / 19.01.2024 |
| Wegatech Greenergy | Insolvenz; Verfahren gescheitert; Marke an Heimwatt | 10/2024 → 12/2024 → 02/2025 | Anwalt.de 31.10.2024; pv magazine 20.12.2024 und 14.02.2025 |
| Zolar | B2C-Ausstieg; Sanierung in Eigenverwaltung; Übernahme durch Sollit | 19.09.2024 / 28.05.2025 / 02.10.2025 | pv magazine 19.09.2024, 28.05.2025 und 02.10.2025 |
| Solarmax (Wechselrichter-Hersteller, Burgau) | Insolvenz | Dezember 2024 | pv magazine 06.12.2024; Augsburger Allgemeine 06.12.2024 |
| Solarnative | Insolvenz; Geschäftsbetrieb eingestellt | 06/2024 → 10/2024 | BondGuide 23.06.2024; Frankfurter Rundschau 17.10.2024 |
| Meyer Burger (deutsche Töchter) | Insolvenzanträge; 600 Kündigungen | 31.05.2025 / Oktober 2025 | Handelsblatt 31.05.2025; CHIP 15.10.2025 |
| SENEC (EnBW) | kein Investor gefunden, Neukundengeschäft eingestellt | 14.07.2026 | pv magazine 14.07.2026 |
| Sun Contracting (AT/FL) | Konkurs, rund 47 Mio. € Schulden | 03./04.11.2025 | agrarheute 03.11.2025; ooe.ORF.at 04.02.2026 |
| Gasokol (Saxen, OÖ) | Sanierungsverfahren, 2,6 Mio. € Schulden | 15.04.2026 | tga.at; MeinBezirk 15.04.2026 |
| KACO | Portal blueplanet web public eingestellt | 01.01.2026 | Herstellermitteilung, zitiert im Photovoltaikforum 01.10.2025 |
Das ist kein rein deutsches Muster: Österreich steht mit Sun Contracting und Gasokol in derselben Liste, und im übrigen Ausland sieht es ähnlich aus: In Frankreich meldete L’Écho du Solaire am 26.08.2025 die liquidation judiciaire von France Solar, pv magazine France am 25.02.2025 die von Oscaro Power. In Großbritannien beschreibt Heatable am 17.04.2026 die Administration von GivEnergy. In Spanien berichtete El Periódico am 01.11.2024 über die Aussetzung des Börsenhandels mit SolarProfit-Aktien, Cinco Días am 13.11.2023 über einen ERE bei Holaluz für 200 Stellen.
Wohin die Meldungen gehen
Die Meldungen von Solmiro gehen an Ihre eigene Adresse, nicht an einen Installateur. Als auf einem Enphase-Dach die Verbindung zur Enphase-Cloud am 26. August 2026 für 37 Minuten abbrach, ohne dass Produktion verloren ging, kam die Meldung an die Adresse des Solmiro-Kontos.
Fragen, die Anlagenbesitzer stellen
Solarfirma insolvent: Was passiert mit meiner Garantie?
Die Herstellergarantien auf Module, Wechselrichter und Speicher bestehen weiter, weil sie ein Verhältnis zwischen Ihnen und dem Hersteller sind. Die Gewährleistung des Installateurs auf die Montage läuft praktisch ins Leere, weil niemand mehr da ist, der sie erfüllt.
Wer wartet jetzt meine PV-Anlage?
Niemand automatisch. Für Arbeiten vor Ort an der Anlage brauchen Sie einen neuen Fachbetrieb; für die Überwachung brauchen Sie einen Zugang zum Portal Ihrer Wechselrichter-Marke, der auf Ihre eigene E-Mail-Adresse läuft, nicht auf die des insolventen Betriebs.
Welche Unterlagen brauche ich, um die Herstellergarantie selbst zu nutzen?
Seriennummern von Wechselrichter, Modulen und Speicher, das Inbetriebnahmedatum und die Anmeldeunterlagen, Rechnung und Übergabeprotokoll. Ohne Seriennummer und Inbetriebnahmedatum lässt sich der Garantiezeitraum beim Hersteller nicht belegen.
Bekomme ich jetzt noch Störungsmeldungen aus dem Portal?
Bei SolarEdge nur, wenn Ihr Installateur Ihnen seinerzeit die Berechtigung „Expose to alerts notifications“ gesetzt hat; die Alarmregeln selbst kann nur der Installateur anlegen. Bei Growatt gehen die Portal-Benachrichtigungen an die Mailbox, die bei der Inbetriebnahme hinterlegt wurde.
Kann auch das Monitoring-Portal selbst verschwinden?
Ja. KACO hat sein Portal blueplanet web public zum 1. Januar 2026 eingestellt; die Nachfolgelösung setzt laut Betreiberforum einen bestimmten Stick voraus. Portalabhängigkeit ist ein eigenes Risiko, unabhängig von der Insolvenz Ihres Installateurs.